Jahresempfang der Kreissparkasse (KSK) in Ellrich gestern Abend

Bilanz mit Gospel im Gotteshaus

Freitag
17.03.2023, 10:00 Uhr
Autor:
osch
veröffentlicht unter:
Die Nordhäuser Kreissparkasse zieht eine positive Bilanz zum schwierigen und nach Aussage von Vorstand Thomas Seeber „herausfordernden“ Jahr 2022. Gestern Abend fanden sich viele interessierte und illustre Gäste zum Jahresempfang des Geldhauses im Gotteshaus zu Ellrich ein

Kulturelle Umrahmung durch das ehemalige "Weather Girl" Dorrey Lyles  (Foto: oas) Kulturelle Umrahmung durch das ehemalige "Weather Girl" Dorrey Lyles (Foto: oas)

Gekommen waren sie alle, die mit der Kreissparkasse verbunden sind und wahrscheinlich sogar ein Konto dort haben, denn immerhin verwaltet die Bank stolze 49.000 Girokonten im Landkreis. Verwaltungsrat, Kuratoren der Stiftung, Bürgermeister von Nordhausen über Ellrich bis zum frisch gekürten Heringer Amtsträger; diverse Kreistagsmitglieder, Ex-Vorstände der KSK, Wettbewerber im Geldgeschäft sowie viele Vorstände und Vertreter regionaler Unternehmen und Institutionen bzw. Firmenchefs aller Branchen konnte Landrat Matthias Jendricke als Aufsichtsratsvorsitzender der KSK begrüßen. Als Verwaltungschef - und damit Überwacher von Vorschriften - konstatierte er verschmitzt, dass man heute deutlich unter den geforderten 19 Grad in Innenräumen bliebe.

In der auch mit Mitteln der Kreissparkasse aufwändig restaurierten St. Johannnes-Kirche oblag es der Soul- und Gospelsängerin Dorrey Lyles den Gästen mit ihrem ausdrucksstarken Gesang das Herz zu erwärmen, denn in der weiten Halle herrschten tatsächlich recht spätwinterliche Temperaturen und die eine oder andere Dame hüllte sich während des offiziellen Teils vorsorglich in eine rote Decke mit Sparkassenlogo. „God is amazing“ schmetterte das ehemalige Weather Girl zu Beginn und blieb auch mit den folgenden Songs ihrer Linie treu, den HERRN zu preisen und zu loben.

Sparkassenvorstand Thomas Seeber bei seinem Jahresbericht (Foto: oas) Sparkassenvorstand Thomas Seeber bei seinem Jahresbericht (Foto: oas)

Loben konnte im Anschluss im Jahresbericht Thomas Seeber seine Mitarbeiter und Kunden, die dem Bankhaus bis zum Herbst des vergangenen Jahres trotz Inflation und Ukraine-Krise erfreulicherweise ein stabiles Wachstum bescherten, das erst im letzten Quartal gebremst wurde. Vor allem die Wohnbau- und Immobilienfinanzierung bereitet dem Sparkassen-Vorstand Sorgen, wobei hier ein Konstrukt aus finanzpolitischen und klimarettenden Aspekten in der Politik die Anleger verunsicherten. „Erstmals seit Jahrzehnten droht ein spürbarer Wohlstandsverlust“, konstatierte Seeber, dessen Sparkasse über eine Einlagensumme von 1,25 Milliarden Euro verfügt, über 900 Millionen davon in privaten Haushalten. Das sei „ein solides Ergebnis“ und könne die weitere Versorgung der Kundschaft sicher stellen. Eine Viertelmillion konnte als Überschuss ans Landratsamt überwiesen werden. Mit einem Marktanteil von stolzen 56 Prozent ist die Kreissparkasse souveräner Marktführer unter den Banken des Kreises und Seeber bedankte sich bei seiner Kundschaft für das entgegengebrachte große Vertrauen.

Auf drei Punkte ging er in seiner Ansprache separat ein. Die Bargeldversorgung werde trotz erhöhter krimineller Anschläge auf Automaten weiter abgesichert, nachts blieben die Selbstbedienungseinrichtungen allerdings geschlossen und die Überlegungen gingen weiter, wo sie noch reduziert werden müssten. Zweitens sei erfreulicherweise „der Zins zurück“, was Seeber auch angesichts der Entscheidungen der Europäischen Zentralbank gut und richtig findet, allerdings hält er das Tempo der Entwicklung für gefährlich. Die abgeschlossen Verträge mit langfristig niedrigen Zinsen blieben so bestehen, die neuen möglichen Zinsen müssten dementsprechend aber sehr vorsichtig wieder angehoben werden, warb er bei seiner Kundschaft um Verständnis. Und drittes versicherte er seinen Kunden, hier speziell den kreditnehmenden Unternehmen, seine Unterstützung bei der „grünen Transformation“ zur Klimaneutralität. Thomas Seeber wurde aber auch deutlich in Richtung Bundespolitik und sagte: „Verbote helfen uns nicht weiter, wir brauchen Lösungen.“

Vermutlich dachte ein Großteil der Anwesenden bei diesen Worten in Anbetracht der Frische im Gebetshaus an die bemerkenswerten Vorstellungen des Bundeswirtschaftsministers Habeck in Bezug auf Heizungsanlagen, die wohl auch für die „Netzwerkkirche“ in Ellrich eine neue Heizung in weite Ferne rücken lässt. Letztendlich konnte der Sparkassenchef solche fröstelnd machende Gedanken aber wieder vertrieben, als er ausführte, dass die KSK im abgelaufenen Jahr mit 213.000 Euro an Spendengeldern wieder vielen Vereinen und Projekten entscheidend helfen konnte. Im übrigen sei er nach seiner derzeitigen Einschätzung der Meinung, „dass die befürchtete Rezession ausbleibt“.

Auch für diese Prognose werden die Versammelten sicherlich gerne den HERRN anrufen, so wie es die stimmgewaltige Dorrey Lyles unter Einbeziehung des Auditoriums zum Abschluss des offiziellen Teils noch einmal tat. Danach gab es Häppchen und Gespräche, sicherlich auch das eine oder andere Geschäftsgespräch und reichlich zu trinken, wobei warmer Kaffee unerwartete Hochkonjunktur gehabt haben dürfte.
Olaf Schulze